Britta Cordts

1974 in Niedersachsen geboren, ist an der Nordseeküste in der Nähe von Heide aufgewachsen. Heute schreibt und lebt sie – mit ihrer Familie – in dem hübschen Örtchen Weddingstedt in Dithmarschen. Die Schreiberei ist für sie der kreative Ausgleich zu ihrem Arbeitsleben als Verkäuferin.

 

Im "Goldschatz zu Meldorf" ist sie mit der Geschichte "Elses Schatz", in der "Küstenliebe" mit den Kurzgeschichten "Deichgeflüster" und "Ein Ringbaum für zwei" vertreten. Auch sie hat fünf Geschichten für die Anthologie "MERR & MEHR" zur Verfügung gestellt.

 

Hier eine Leseprobe aus "Küstenliebe":


Ein Ringbaum für Zwei

 

„Dieser miese kleine Mistkerl. Wenn ich den Scheißer in die Finger bekomme, dreh ich ihm den Hals um. Ich … ich … ich bring ihn um. Ganz klar. Ich bring ihn um.“

„Nun beruhige dich doch erst mal und erzähl mir, was los ist“, versuchte Sinja Nele zu besänftigen.

„Ja …“ Nele schnappte wild nach Luft. „Nicht nur, dass der mich schon meine ganze Grundschulzeit lang traktiert hat und sein Vater jetzt mein Chef ist, nein, nun nimmt der Drecksack mir auch noch mein Pferd weg.“ Nele drohte mit geballten Fäusten einem Haufen Strohballen, der in der Stallgasse lag. „Oh … dieser … Mann, ich habe wochenlang mit Püppi trainiert.“

Sinja runzelte die Stirn. „Nele, ich verstehe immer noch kein Wort.“

„Ach, er ist einfach ein verwöhnter kleiner Drecksack, der es gewöhnt ist, alles vor den Arsch getragen zu bekommen. Seine ach-so-tollen-Sportpferde sind ihm wohl zu wertvoll für ein einfaches Ringreiten. Da muss man sich halt ein Pferd ausleihen. Und natürlich am besten eins, dass wochenlang von jemand anderem trainiert worden ist.“ Sinjas Stirn schlug bereits solche Falten, dass sie Angst hatte, sie würden nie wieder weg gehen.

„Nele … bitte …fang doch mal ganz von vorne an. Ich verstehe Null-Komma-gar-nichts von dem, was du sagst.“ Sinja zog einen Strohballen vom Haufen und setzte sich darauf. Dabei zog sie Nele mit sich. Deren Augen schimmerten verdächtig. „So, nun erzähl mir alles in Ruhe und von Anfang an.“, bat Sinja.

Nele wischte sich mit dem Ärmel über die Augen. „Ich habe eben erfahren, dass Bosse am Ringreiten teilnimmt.“

„Ja, und? Das ist doch gut wenn zwei aus diesem Stall vertreten sind, oder?“

„Ja, das würde vielleicht stimmen, wenn er nicht ausgerechnet auf meinem Pflegepferd starten würde. Sein Vater und die Besitzerin von Püppi kennen sich schon sehr lange und er hat sie darum gebeten, dass sein Sohn mit Püppi starten darf.“

„Dann teilt ihr euch Püppi bei dem Ringreiten?“

„Nein, genau das ist der Punkt. Er hat darauf bestanden, dass er sie alleine nutzen darf. Und nun hat mir Frau Grothe eben gesagt, dass ich nicht teilnehmen kann, weil sie ihrem guten Freund den Gefallen nicht abschlagen mag.“

„Das ist nicht ihr Ernst! Du hast das ganze Jahr dafür trainiert, damit du dieses Jahr endlich Ringreiterkönigin werden kannst. Das ist doch nicht fair.“

„Genau“, schnarrte Nele kurz. „Nicht fair.“

Nele fiel in sich zusammen und seufzte. „Bosse hat schon immer bekommen was er wollte. Schon in der Grundschule war er der Held für alle, weil er immer das Neueste und Teuerste an Schulsachen, Sportsachen und Klamotten hatte. Ich war als Kind normal-sterblicher Eltern eher ein Außenseiter, in einer Klasse voller Elitebälger. Zu meinem Glück sind die dann alle aufs Gymnasium gegangen und ich auf die Realschule. Ich habe gehofft, ich sehe keinen von denen je wieder. Leider wurde ich bereits in der ersten Woche meiner Lehre eines Besseren belehrt, denn da stolzierte Bosse an meinem Schreibtisch vorbei in das Büro seines Vaters. Ich wusste nicht einmal, dass mein Chef Bosses Vater ist. Und als ich vor zwei Jahren Püppi als Pflegepferd bekam, war er natürlich auch hier im Stall der Platzhirsch, umringt von Mädchen. Ich habe die Schnauze voll von diesem Typen.“

„Und wenn du mal mit Bosse sprichst und ihm die Sache erklärst?“

„Er hat schon in der Schule kaum ein Wort mit mir gesprochen. Warum sollte er es jetzt? Er hat doch was er will.“ Nele fühlte sich klein und hilflos.

„Und wenn du noch mal mit Frau Grothe sprichst?“ Sinja zappelte vor Aufregung.

Nele schüttelte den Kopf. „Nein das kann ich nicht. Frau Grothe ist so nett. Gegen ein bisschen Mithilfe im Stall habe ich Püppi für mich zur freien Verfügung. Fast wie ein eigenes Pferd. Ich könnte mir sonst kein Pferd leisten. Und Frau Grothe macht das ja nur, weil Bosses Vater sie darum gebeten hat. Und der ist, wie ich dich erinnern darf, mein Chef.“

„Abgefahren verfahrene Geschichte“, gab Sinja zu. Nele nickte.

Ein leises Pfeifen wanderte um die Stallecke und kam dann die Stallgasse hinunter. „Oh, was sind das denn für traurige Gesichter? Ist jemand gestorben?“

„Ja, und zwar du, du dreckiger kleiner Bastard.“ Nele sprang von dem Strohballen hoch und baute sich vor Bosse auf. „Ich werde dich umbringen.“ Obwohl sie ihm nur knapp unter das Kinn reichte, sah Bosse von der Energie, die sie antrieb, beeindruckt aus.

„Ähm … bitte was?“

Sie tippte ihm mit einer solchen Wucht den Finger auf die Brust, dass er fürchtete, sie könnte ihn tatsächlich damit erstechen.

„Du hast mir mein Pferd gestohlen.“

Langsam fing er sich wieder und sein überlegenes Lächeln kehrte zurück. „Ich? Dein Pferd? Ich glaube, wir müssen da mal was klar stellen. Erstens, ich brauche dein Pferd nicht, ich habe eigene. Zweitens kann man den Gaul ja wohl kaum Pferd nennen. Drittens reite ich das komische Tier nur, weil mein Vater es will. Und Viertens gehe ich ja wohl recht in der Annahme, dass es nicht wirklich dein Tier ist, oder?“

Nele schnaufte. „Duuuu …“, sie schnappte nach Luft, „… arroganter Arsch von einem Esel. Püppi ist sehr wohl ein Pferd. Keines von diesen tollen hoch gezüchteten Holsteiner-Sportpferden, die über alles springen, was man ihnen vor die Nase stellt. Doch ein guter solider Haflinger mit ehrlichem Charakter ist sie allemal. Und sie gehört vielleicht nicht wirklich mir, doch sie ist fast wie mein eigenes und wir haben für dieses Ringreiten lange trainiert – und wir haben dieses Jahr eine wirkliche Chance.“

Bosse beugte sich ruhig vor und sah ihr tief in die Augen. „Nein, habt ihr nicht.“ Er zog es in die Länge während er jedes Wort voll auskostete. „Du startest nämlich nicht.“

Nele bebte vor Zorn. „Nein, tu ich wirklich nicht“, sagte sie ruhig ohne ihn aus den Augen zu lassen. „Lass mich dir, zum Dank dafür, die Hand geben.“ Bosse streckte ihr seine Hand entgegen, während er sie überlegen taxierte. Nele hob ebenfalls die Hand und mit einem Krachen sauste sie in Bosses Gesicht. Die Wucht traf ihn völlig unerwartet und ließ ihn nach hinten überkippen. Die Hand schützend vor das getroffene Auge haltend, lag er am Boden. Nele baute sich über ihm auf. „Ich habe nicht gesagt, dass die Hand, die ich dir geben will, nicht zur Faust geballt ist, oder?“ Mit einem befriedigenden Gefühl in den Adern ließ sie ihn liegen und verließ die Stallgasse.

Ein paar Tage später hatte sich Bosses Auge bereits lila verfärbt. „Püppi, nun halt doch mal endlich still“, brummelte er, während er versuchte, den störrischen Vierbeiner zu satteln. Nele kam um die Ecke und zögerte nur kurz, doch dann ging sie zum Angriff über. „Schicker Lidschatten. Ist das die neueste Mode?“ Bosse verdrehte genervt die Augen. „Ja, das ist der letzte Schrei“, knurrte er. „Farbe Veilchenblau. Hat mir eine Bekannte aus Haumirdrauf, der Hauptstadt von Kannstmichmal, mitgebracht.“

Nele musste ungewollt kichern. „Ah, das ist aber aufmerksam von ihr gewesen.“ Sie kostete ihren Triumph voll aus.

„Kann schon sein.“

Püppi zappelte in der Stallgasse hin und her. „Mist, steh still.“ Bosse fingerte unbeholfen an dem Sattel. Erst jetzt schenkte Nele Püppi ihre Aufmerksamkeit. „Was ist das eigentlich für ein Sattel? Der passt Püppi ja überhaupt nicht.“

„Das ist meiner. Der andere ist doch Mist.“

„Der Mist, wie du ihn nennst, ist ein teurer, sehr gut passender Westernsattel. Dieser ist doch viel zu schmal für sie. Der wird drücken und ihr wehtun.“

„Mir doch egal. Den anderen habe ich nicht auf das Pferd bekommen.“

„Du bist echt das Letzte. Nimm das Ding von ihrem Rücken, oder ich erzähle es Frau Grothe“, drohte Nele ihm.

Genervt nahm er den Sattel vom Pferd und ließ es zu, dass Nele Püppi einkleidete.

„So, fertig, der Herr.“ Sie machte einen höfischen Knicks. „Euer Ross stehet bereit, in die Schlacht zu ziehen.“ Noch eine Verbeugung.

Wütend über den Hohn griff Bosse nach den Zügeln und zog die Stute hinter sich her. Leise kichernd schlich ihm Nele nach. Man hatte ihr erzählt, dass Bosse bereits Schwierigkeiten hatte, Püppi überhaupt durch den Ringbaum zu reiten. Dabei bestand der doch nur aus zwei hohen Pfeilern, die in Torbreite voneinander entfernt standen und zwischen denen eine mit Seilzug höhenverstellbare Latte befestigt war, an der die Ringvorrichtung saß. Und es sollte doch wohl möglich sein, unter dem Ringbaum hindurch zu galoppieren und mit dem pistolenartigen Ringstecher durch das acht Zentimeter große Loch in dem handtellergroßen Ring zu stechen. „Aber nein, dieser ach-so-tolle-Turnierspringer bekommt diesen ach-so-miesen-Gaul gar nicht erst angaloppiert!“ Sie hatte schallend gelacht, als Sinja und Merle ihr das erzählt hatten. Püppi war schon immer eine gute Lehrerin gewesen. Ohne die richtigen Hilfen tat sie einfach nichts. Nele lächelte zufrieden. „Das wird ein Spaß.“

Am Trainingsplatz angekommen, stieg Bosse aufs Pferd und Nele hockte sich an den Knick ins Gras. Eine Schar weiblicher Fans hatte sich am Ringbaum versammelt, um ihrem Helden behilflich sein zu dürfen. Schließlich musste ja die Höhe des Rings immer wieder für den Reiter eingestellt und der Ring in die Halterung zurück gesteckt werden. Zumindest dann, wenn der Reiter den Ring überhaupt traf. Danach sah es zurzeit aber nicht aus, denn Püppi weigerte sich strikt, auch nur durch den Ringbaum zu laufen. Und wenn er sie doch dazu überreden konnte, dann nur im Schritt. Nele lachte zufrieden, während am Ringbaum betretenes Schweigen herrschte. „So, Mädels, ich glaube, es reicht für heute.“ Bosse schaute in die Runde. „Ich danke euch für eure Hilfe. Ich mach Schluss. Dieser Drecksgaul ist ja nicht einmal das Wasser wert, das er säuft.“ Die Mädchen lachten und nickten, während sie sich auf den Weg zurück zum Stall machten. Bosse zog am Zügel und gab Püppi einen Klaps mit der Gerte. Sein Ego und sein Image waren angekratzt. Und noch einmal sauste die Gerte auf den Hintern der Stute nieder. „Nun lauf schon, du Scheißvieh.“ Schneller als Bosse gucken konnte, stand Nele neben ihm und riss ihn vom Pferd. Bedrohlich ragte sie über dem am Boden liegenden Bosse auf. Ihre zarte Gestalt war zum Bersten angespannt. Sie zischte: „Wenn du Püppi noch einmal schlägst, dann verbeule ich dir dein hübsches Gesicht dermaßen, dass dich keiner wiedererkennt.“ Bosse schnappte hörbar nach Luft und Nele bebte am ganzen Körper. „Och, Mann, Scheiße, Nele. Mein Vater erwartet von mir, dass ich dieses Scheiß-Ringreiten gewinne, damit er vor seinen tollen Parteifreunden gut dasteht. Ich kann und will das eigentlich gar nicht.“ Neles Augen weiteten sich. Das war das erste Mal, dass Bosse eine Schwäche zugab. Er sah zu Boden. „Ich habe das schon mit meinen Pferden nicht hinbekommen und wollte es eigentlich auch nicht. Doch anstatt das mein Vater sagt: 'Ist schon gut mein Junge, dann lass es halt sein', organisiert er mir ein richtiges Ringreiterpferd. Mensch, Nele, ich kann das einfach nicht.“ Püppi stand neben Bosse und sabberte ihm durch die dichten blonden Locken. Nele lachte. „Na, wenn Püppi dir verzeihen kann, dann kann ich das sicher auch.“ Er runzelte ungläubig die Stirn. „Was?“

„Ich meine, ich schlage dir einen Deal vor. Ich zeige dir, wie Ringreiten geht. Und dafür darf ich auch starten.“

„Zusammen auf einem Pferd?“, fragte Bosse ungläubig.

Nele lachte. „Du hast wirklich keine Ahnung vom Ringreiten, oder?“

Bosse schüttelte den Kopf und das Lächeln, dass er Nele zum allerersten Mal schenkte, war umwerfend. „Nein, und ich dachte immer, das kann doch jeder.“ „Tja, falsch gedacht.“ Sie stemmte die Hände in die Hüften. „Du bist echt das Arroganteste, das ich je gesehen habe.“ Sie schüttelte den Kopf. „Steig auf dein Pferd und dann los.“ Bosse gehorchte kleinlaut. „So und nun galoppier' sie an. Gerade sitzen. Hände vor, wenn du sie zusammen ziehst wird sie nicht anspringen. Du fährst ja auch nicht mit angezogener Handbremse Auto, oder? So, nun man zu, du musst vom Anfang des Zauns, durch den Ringbaum, bis zum Ende des Zauns im Galopp bleiben, sonst zählt dein Ring nicht. Wenn du einen Ring hast, darfst du den erst nach der Markierung wieder abwerfen, sonst zählt der auch nicht. So, noch einmal. Lass sie locker galoppieren, dann ist sie so langsam wie andere Pferde im Schritt, und du kannst den Ring problemlos stechen.“ Nele hatte sichtlich Spaß daran, Bosse herum zu kommandieren. Bosse maulte: „Den Ring problemlos treffen? Soll das ein Witz sein?“

„Nein, eigentlich nicht.“ Nele lachte.

Seit fast drei Wochen trainierte Nele nun täglich mit Bosse. „Ja, super! Gut so! Das ist Ring Nummer 19 von 25, das ist doch Spitze.“

Bosse lachte. „Das wird aber nicht reichen, oder?“

„Nee, da musst du noch einen drauf legen um mich zu schlagen.“ Nele zwinkerte Bosse zu.

Er schmunzelte nachdenklich. „Das fürchte ich auch.“ „So, komm, ich bin dran.“

Bosse steuerte Püppi auf Nele zu und stieg neben ihr ab. „Ja, ist schon gut. Dann man zu.“

Nele hatte bereits ihren Fuß im Steigbügel, während Bosse noch auf der anderen Seite abstieg. Als sie die Hand auf das Horn des Sattels legte, lag seine noch da. Ihre Blicke trafen sich. Sie hielt inne.

„Danke!“, hauchte Bosse leise und zog seine Hand unter ihrer hervor, um sie wieder auf ihre zu legen. „Wirklich …ohne dich hätte ich das nicht geschafft.“ Ihr Herz wurde warm. Scheiße, sie würde sich doch wohl nicht in diesen arroganten Kerl verlieben. Nein, auf keinen Fall. 'Der weiß doch ganz genau, wie man an sein Ziel kommt. Und wenn er dafür einem Mädchen schöne Augen machen muss', dachte sie. „Ist schon gut!“ Sie zog ihre Hand unter seiner heraus. „Ich habe ja auch was davon. Sonst hätte ich ja nicht starten können.“ Bosse sah ihr nach, wie sie auf den Ringbaum zuritt. O Mann, sie war schon sexy. Vor allem, weil sie sich nicht so anbiederte.

Nur ein paar Tage später war es endlich so weit. Nele war total aufgeregt und schon früh im Stall, um Püppi fertig zu machen. Bosse hatte Nele den Umzug überlassen. Jedes Jahr gab es einen Umzug durchs Dorf, bei dem der Ringreiterkönig aus dem Vorjahr zuhause abgeholt und zum Ringreiterplatz geleitet wurde. Während des Umzugs bekam jeder Reiter hier und da den einen oder anderen Schnaps. Nele war froh, dass nach dem zweiten Schnaps Bosse für sie einsprang und ihren Korn mittrank, denn sie vertrug nicht viel. Bereits jetzt fühlte sie sich beschwipst. Bosse allerdings war nach acht Schnäpsen noch nichts anzumerken. Heil am Platz angekommen, lief das Ringreiten nach Plan.

„Super, Bosse! Erst sechs Ringe verfehlt. Läuft doch echt gut.“ Nele sprang total aufgedreht an Püppi und Bosse hoch, um ihm an die Schulter zu knuffen.

Bosse lachte. „Ja, stimmt, dich holt sicher niemand mehr ein.“ Er wuschelte ihr liebevoll durch die roten Locken.

„Das ist noch nicht gesagt“, bedeutete sie, oberlehrerhaft mit dem Zeigefinger drohend.

„Ach was, du hast bis jetzt alles getroffen und Ulf hat schon zwei verfehlt. Wenn du jetzt nicht mit Null Ringen nach Hause kommst, bist du Königin.“ Bosse strahlte stolz über das ganze Gesicht. Nele saß bereits wieder auf dem Pferd und sah Bosse von oben her an. Seine Hand lag warm auf ihrem Oberschenkel. „Du schaffst das. Ich weiß das.“

„Danke“, hauchte sie, während sie seinen Blick erwiderte.

Nele machte es spannend, denn ihre Nerven lagen blank. Sie verfehlte den ersten Ring und beim zweiten konnte sie kaum noch die Hand still halten. „Mist, ebenfalls verfehlt.“ Bosse fluchte innerlich. „So, nun bitte Nele Dittmer und Ulf Jakobsen zum Stechen“, dröhnte es über den Platz. Neles und Bosses Blicke trafen sich. „Du schaffst das“, formten seine Lippen. Sie nickte und ritt los. Treffer. Jetzt war ihr Gegner dran. Treffer. Doch ihm rutschte der Ring vom Stecher bevor er an der Markierung vorbei war. Gewonnen. Nele schrie und jubelte. Bosse sprang jubelnd auf Püppi zu und zog Nele vom Pferd in seine Arme und küsste sie. Nele zögerte nur kurz und erwiderte dann seinen Kuss. „Glückwunsch“, hauchte er an ihren Lippen. „Ich liebe dich“, sagte er zärtlich. Als Antwort zog sie ihn wieder an sich und küsste ihn. Weil sie es wollte. Verdammt, sie hatte sich in den Scheißkerl verliebt.